"Wer heutzutage am Waldesrand in einem Wohnwagen lebt und eine resolute
ältere Dame ist, tut gut daran, eine abgesägte Schrotflinte griffbereit
zu haben - schließlich wagen sich die Wildtiere immer näher aus dem
Dickicht in den Lebensraum der Menschen. Da kann schon mal ein hungriger
Wolf vorbeischauen. Die Großmutter aus dem Märchen vom Rotkäppchen und
dem Wolf erinnert beim Brüder-Grimm-Festival eher an die legendäre
Comicfigur der Ma Dalton aus den Lucky-Luke-Heften als an ein hilfloses
Omchen. ... Fajgel verspricht, dass in dem Familienstück kein Wolfsbauch
aufgeschlitzt wird. Er hat das Musical lustig verfremdet und durch
weitere Märchenelemente ergänzt - so ist das Rotkäppchen ein verträumtes
Mädel, das bei seiner Entführung durch den Wolf denkt, sein
Lieblingsbuch würde wahr: „Die Schöne und das Biest“. Auch das
Grimm-Märchen „Der Wolf und der Fuchs“ wird eingebaut, wo der Fuchs eine
Art Diener des Wolfes ist und ihm Nahrung besorgen muss. Der Wolf
frisst sich schließlich so dick, dass er vom Bauern getötet werden kann."
So beschreibt es Bettina Fraschke in der HNA. Und das klingt genau nach den abgedrehten Märchen-Mash Ups, die man vom Team um Michael Fajgel gewöhnt ist.
Gespielt werden die 33 Vorstellungen ab dem 18. Juli 2013 auf der Bühne im hinteren Teil des Botanischen Gartens. Jippie.
Top 5
favorite songs NUR FÜNF? Echt jetzt? Ach du…
Stars (das müsste für mich jetzt allerdings nicht unbedingt von Russell Crowe interpretiert werden), Red & Black, One
day more, Do you hear the people sing, Drink with me. Und Empty chairs at empty tables. Und At the end of the day. Vielleicht auch noch Who am I. Oder On my own. Oh, oh, oh... und... Soll ich weitermachen? Ich kann mich bei all diesen großartigen Songs nie, nie, nie für 5 entscheiden.
2. My personal story on how I found out about Les Mis
Spätstarter,
deswegen: Der Film. Der hat mich allerdings SO dermaßen hinterrücks niedergestreckt,
dass es beängstigend ist.
3.
How many times I have seen the movie/musical
Ähm…
sagen wir mal so: Der nette, junge Mann, der immer sonntags Dienst hat, fragt
mich nicht mehr, welchen Film ich sehen will.
Zur Erklärung: Les Miz läuft hier nur noch in diesem einen Kino und auch nur
noch sonntags als Matinée. Der nette, junge Mann und ich sehen uns also regelmäßig.
4.
My top 5 costumes from the motion picture
Hm. Ich mag, wie Gavroches Kostüm unterstreicht, dass er einer von den großen Jungs sein will, aber sonst...
5. Which character I would save if I could rewrite the story
Enjolras.
Weil er miterleben sollte, wie die Welt sich in seinem Sinn zum Besseren verändert.
6. One scene that makes me smile/laugh
Sorry, aber eine der tragischsten überhaupt: Wenn Javert an den nebeneinander liegenden
toten Studenten entlang schreitet.
Klingt jetzt ein bisschen perfide, aber es
gibt einen Grund, wieso ich grinsen muss und er beginnt bei 2:56 in diesem
Video:
Ich
liebe, liebe, liebe es, dass die barricade boys während der Dreharbeiten zu dieser Gang
geworden sind, die sich auch so viele Monate nach Drehschluss nicht aus den Augen verloren hat.
7. One actor/actress from the motion picture (non stage performer) who
surprised me and why
Anne
Hathaway. Sie gehörte wirklich nie zu meinen Lieblingsschauspielerinnen, aber
mich hat es ziemlich beeindruckt, wie unbedingt sie die Rolle der Fantine haben
wollte und wie sie sie interpretiert hat.
8. Which sentence I would use to describe Les Mis
“Have you asked of
yourselves what's the price you might pay?”
Und
das lasse ich jetzt einfach mal unkommentiert so stehen. Think for
yourself.
9. One thing this story has taught/reminded me
Tu
alles mit ganzem Herzen.
10.
Who is my dream male role and why
Enjolras.
Weil er sein großes Ziel nie aus den Augen verliert und dem alles andere
unterordnet. Er versteht es, die anderen mit flammenden Monologen
einzuschwören. Er ist leidenschaftlich und absolut davon überzeugt, das richtige
zu tun, obwohl er weiß, dass er nicht nur sein Leben riskiert, sondern auch das seiner Freunde.
11. Who is my dream female role and why
Eponine. Weil wahrscheinlich jeder schon mal einsehen musste,
dass man den Kerl, an den man sein Herz verloren hat, nicht haben kann.
12. Artists I’m grateful were brought to me (movie and/or stage)
Aaron
Tveit. Und ich verliere an dieser Stelle keine weiteren Worte, weil das hier
sonst in eine endlose Schwärmerei Lobhudelei ausartet und ich Gefahr laufe, tausend
yt-Videos zu posten, damit auch noch der letzte Mensch auf diesem Planeten
sieht, wie unglaublich talentiert dieser Mann ist.
13. Whether or not I have read the Brick
Ja,
ich hab’s gelesen. Mehr als ein Mal.
14.
A song that never fails to make me cry
Wo
soll ich anfangen???
Aber
wenn ich mich für einen entscheiden muss, ist es das Finale, wenn alle
Charaktere zusammen auf der Barrikade stehen.
„Do you hear the people sing
Lost in the valley of the night?
It is the music of a people
Who are climbing to the light.
For the wretched of the earth
There is a flame that never dies.
Even the darkest night will end
And the sun will rise.
They will live again in freedom
In the garden of the Lord.
They will walk behind the plough-share,
They will put away the sword.
The chain will be broken
And all men will have their reward.
Will you join in our crusade?
Who will be strong and stand with me?
Somewhere beyond the barricade
Is there a world you long to see?
Do you hear the people sing?
Say, do you hear the distant drums?
It is the future that they bring
When tomorrow comes!”
15. What I would say to Victor Hugo if he could hear me
Ich muss mich gleich zu Beginn als totaler Amateur outen, wenn es um "Les Misérables" geht. Obwohl mir die Geschichte und die meisten Songs sehr wohl bekannt sind, habe ich es nicht mal damals beim Heimspiel in Bad Hersfeld auf der Bühne gesehen. Wo - zur Hölle - war ich denn da, dass ich das verpasst habe? Um wirklich etwas zum Film sagen zu können, muss ich ihn wohl noch ein oder zwei Mal sehen. Heute war ich zeitweise viel zu sehr damit beschäftigt, die Tapete des Kinos anzustarren, um bloß nicht in Tränen auszubrechen. Im Rückblick bin ich sicher, dass ich mich vor lauter "nicht heulen wollen" überhaupt nicht so auf die Handlung eingelassen habe, wie der Film es verdient gehabt hätte. Beim nächsten Mal also mehr heulen und weniger Tapete. Dass "Les Misérables" ein bildgewaltiges Epos werden würde, hat wohl niemand bezweifelt. Allein die Trailer waren unglaublich beeindruckend. Schon die erste Szene, in der die Sträflinge das Schiff ziehen, ließ erahnen, was einen noch erwarten würde. Ich versuche gerade, meine Eindrücke zu sortieren. Wo ich das Kino noch relativ gelassen verlassen habe, hallt das Leinwandgeschehen gerade umso stärker nach und beschäftigt mich mehr, als ich vermutet hatte. Es fällt mir aber einigermaßen schwer, eine Meinung abzugeben, denn das können Menschen, die das Stück von der Bühne kennen, auf jeden Fall sehr viel besser. Mir fehlt da schlicht der Vergleich. Was ich spontan nach dem ersten Eindruck sagen kann: Toll fand ich Eddie Redmayne als Marius. Und weil ich ja ein Faible für die Revoluzzer habe, mochte ich Aaron Tveit als Enjolras sehr gern. Auch Samantha Barks hat mich sehr beeindruckt. Mein heimlicher Leinwandliebling war aber Daniel Huttlestone als Straßenjunge Gavroche. Ich gehe sicher noch ein oder zwei Mal ins Kino, um mir den Film anzusehen. Ein Anfänger wie ich kann die komplexe Geschichte mit Sicherheit nicht auf Anhieb erfassen. So gesehen ist alles, was ich hier schreibe, nicht mehr als eine Momentaufnahme.
Edit: Heute morgen standen auf dem Weg ins Büro ein Tisch und ein paar übereinandergestapelte Stühle auf dem Gehweg und ich habe automatisch "Auf die Barrikaden" gerufen. Noch Fragen?
Weil ich ja immer alles genau wissen muss und keine halben Sachen mache, wenn mich etwas begeistert, hab ich heute die DVD des 25. Jubiläums gekauft (inzwischen auch gesehen), die vom 10jährigen zusammen mit einer englischen und einer deutschen CD sowie dem Buch bestellt, ein Ticket für Magdeburg gebucht und überlegt, wo ich den London-Besuch im Terminkalender unterbringe. Und wer den bezahlt. Ich "Les Misérables"-Addict, ich. Bis Magdeburg habe ich dann vielleicht auch herausgefunden, warum mich das Stück bis dato so gar nicht gereizt hat. Wie konnte mir denn bitte ein solcher Faux-Pas passieren?
Mein Besuch im tic liegt jetzt schon eine Weile zurück, ich will es aber keinesfalls versäumen, noch ein paar Worte zu "Rainy days" zu verlieren. Die Vorlage für dieses Musical liefert der Film "Mitten ins Herz" mit Hugh Grant und Drew Barrymore.
Für diejenigen, die den Film nicht kennen, hier kurz die Geschichte: Tom Graham bildete mit seinem Partner (der Name wurde auch genannt, ist mir aber entfallen. Wer helfen kann: Sehr gern!) in den 80ern das erfolgreiche Pop-Duo "ZACK". Das ist lange her, der Partner hat sich inzwischen mit den gemeinsamen Songs aus dem Staub gemacht und zudem noch eine kometenhafte Solokarriere gestartet, während Tom sich mit Auftritten in Möbelhäusern und Werbespots für Friseure mehr schlecht als recht über Wasser hält. Seine große Chance auf ein Comeback wittern sein Manager Frank und er, als Popstar Gina Cox ihn bittet, in drei Tagen einen Hit für sie zu schreiben. Tom ist Musiker, sein Talent fürs Texten hält sich in Grenzen, da kommt ihm die resolute, dauerquatschende Christin, deren eigentliche Aufgabe es ist, die Blumen in seiner Wohnung zu gießen, ganz gelegen. Die qualifiziert sich nämlich schon deswegen als Texterin, weil sie bereits einen Gedichtband veröffentlicht hat. Dass die Zusammenarbeit dieser so unterschiedlichen Menschen nicht ganz ohne Grabenkämpfe abgeht und bei diversen Meinungsverschiedenheiten nie klar ist, ob sie ihrer Aufgabe am Ende gewachsen sein werden, versteht sich von selbst. Genauso versteht es sich im tic von selbst, dass in jedes Stück regionale Bezüge eingebaut werden. So verirrt sich Manager Frank bei der Suche nach einem Texter natürlich erstmal in einen bekannten Club auf der Kasseler Kneipenmeile. Dort findet er einen Rapper mit Rastas bis zum Hintern, der sich mit seinen holprigen Reimen allerdings als wenig hilfreich entpuppt. Ob nun als unfähiger Gangsterrapper, schüchterner Ansager beim Klassentreffen, Literaturprofessor oder als tief ergebener Manager/Fußabtreter des überkandidelten Popstars Gina: Martin Ruegg hat die Lacher auf seiner Seite. Ganz groß auch Christoph Steinau, der als Toms schmieriger Manager Frank ständig unter Strom steht und mit seiner Interpretation von "Kiss" definitv einen Showstopper hinlegt. Seiner Stimmgewalt sind die Ladies des Abends aber definitv gewachsen. Christina van Leyen spielt die überdrehte Popqueen Gina, die ihr Karma mit esoterischen Sinnsprüchen aufzupolieren versucht und haut gleich zu Beginn ein "Stronger" raus, das Christina Aguilera vor Neid erblassen lassen würde. Und auch ihre Interpretationen von Pink- und Adele-Songs muss sich hinter den Originalen überhaupt nicht verstecken. Diese Stimme hat mich jedenfalls gleich mal in den Sitz getackert. Die eigenwillige Christin wird von Inga Jamry gespielt, die - wie immer - stimmlich und schauspielerisch keine Wünsche offen lässt. Als dauerquasselnde Blumenfee hat sie die Sympathien des Publikums schnell auf ihrer Seite, denn sie fasst den ehemaligen Popstar Tom nie mit Samthandschuhen an, sondern sagt ihm ungeschönt, was sie denkt. Die Rolle des Tom Graham wurde an diesem Abend von Christian Bulwien gespielt, der den erkrankten Michael Fajgel souverän vertrat, und dem gefallenen Popstar zwischen Hoffnung und Verzweiflung ein Gesicht und eine Stimme gab. Ob nun mit Boy George- oder a-ha-Songs. Die Show beginnt mit einer Leinwand, auf der ein Friseur-Werbespot gezeigt wird, in dem Tom Graham die Hauptrolle spielt. Und so geht das Stück auch zu Ende. Nur dass Tom samt seinem albernen Kostüm und den Tänzerinnen plötzlich ganz real auf der Bühne steht. Ein schöner Einfall der Regie (Tobias Krechel), der auch entsprechend bejubelt wurde. Wie immer im tic hatte ich einen unterhaltsamen Abend und eine Woche lang Mühe, die Ohrwürmer aus dem Stück wieder loszuwerden. Und ich fürchte, ich werde nach dem Schreiben dieses Berichts wieder tagelang "I like Chopin" vor mich hinsummen. Verdammt. Auf der Bühne standen: Inga Jamry, Christina van Leyen, Christian Bulwien, Loreen Fajgel, Martin Ruegg,
Christoph Steinau, Annika Hoffmann, Verena Piwonka
Und wer das Stück noch sehen möchte: Wiederaufnahme am 16. Mai 2013
Meine Eindrücke habe ich ja beim letzten Besuch schon geschildert und auch diesmal habe ich das Theater wieder mit einem seligen Grinsen verlassen. Ob sich die Songs von denen unterschieden haben, die bei der Premiere gesungen wurden, kann ich nicht beurteilen, da ich vom ersten Abend kein Programmheft besitze. Ganz sicher anders war aber die Verteilung der Songs, die von den Damen gesungen wurden. Denn bedauerlicherweise weilte Judith Lefeber an diesem Abend in Chemnitz, um Christian Alexander Müller gemeinsam mit Roberta Valentini, Patrick Stanke und Angelina Biermann bei seinem Solokonzert "Heroes" zu unterstützen. Das "bedauerlich" bezieht sich dabei natürlich auf das Kasseler Publikum, nicht auf das in Chemnitz. Und ein bisschen auf mein schlechtes Timing, aber das ist ein anderes Thema und man kann ja nicht überall sein. "Swing in concert" hat mir jedenfalls auch beim zweiten Mal sehr viel Spaß gemacht. Ich mag es einfach total gern, wie man die Zeit des Rat Pack in Las Vegas einfängt, wie die Herren die Damen umgarnen und dass man gar nicht die große Show braucht, um mit Musik zu beeindrucken. Man wünscht sich augenblicklich in diese Zeit zurück, möchte glitzernde Abendkleider tragen und sich von charmanten Herren im Smoking umgarnen lassen. Und ich bin sicher, dass keine Dame im Publikum "Mr. Bojangles" von Andreas Wolfram, "That's amore" von Nigel David Casey oder "My way" von Henrik Wager hätte widerstehen können. Oder wollen.
Solisten:
Frank Sinatra: Henrik Wager Sammy Davis Jr.: Andreas Wolfram Dean Martin: Nigel Casey Katja Friedenberg Tabea Henkelmann Ingrid Fröseth
Zugaben (ohne Gewähr): That's life Have you met Mrs. Jones Mack the knife Strangers in the night ...
Mein zweiter Besuch auf Manderley und diesmal gibt's auch tatsächlich einen Bericht dazu.
Einer Rabattaktion sei Dank führte mich der Weg also ein weiteres Mal nach Cornwall. 60 Euro ist für PK1 an einem Samstagabend mehr als okay. Erst recht, wenn ich damit jemandem eine Freude machen kann. Ich war beim letzten Mal von Christina, Arvid und Femke schon ziemlich begeistert und gespannt, wie mir Valerie, Jan und Pia im Vergleich gefallen würden.
Die Geschichte um die neue Frau von Maxim de Winter, die sich auf Manderley gegen den übermächtigen Schatten der verstorbenen Rebecca und der ihr zutiefst ergebenen Haushälterin Mrs. Danvers behaupten muss, dürfte den meisten bekannt sein. Das Bühnenbildwar sehr aufwändig und opulent, ob nundie Hotellobby in Monte Carlo, die Bibliothek auf Manderley, die drehbare Freitreppe, die immer wieder zum Einsatz kommt oder das pompöse Schlafzimmer Rebeccas. Beeindruckend auch die Projektionen. Das komplette Anwesen Manderley zu Beginn, der Himmel über den Klippen von Monte Carlo, das rote Laub, das Fenster und Balkon von Rebeccas Zimmer umrahmt oder auch die Bahnhofsszene mit dem einfahrenden Zug. Allesamt sehr überzeugend. Darüber, dass die Treppe am Schluss brennt, ist schon so viel geschrieben worden, dass ich dem nichts mehr hinzuzufügen habe. Das sieht einfach sehr spektakulär aus.
Die Musik dürfte in weiten Teilen wohl auch bekannt sein. Die teilweise sehr dramatischen Songs passen sehr gut zur Geschichte, obwohl sie mir persönlich weniger im Gedächtnis bleiben als die anderer Musicals. Aber so direkt nach der Show ertappe ich mich doch immer wieder dabei, wie ich "Ich hab geträumt von Manderley" vor mich hinsumme.
Apropos "Ich hab geträumt von Manderley": Valerie Link war eine ganz zauberhafte ICH. Mädchenhaft und schüchtern am Anfang, später zaghaft selbstbewusst und am Schluss die ganz klare Herrin von Manderley. Sie spielte sehr natürlich und ich mochte ihre Stimme wirklich gern.
Jan Ammann überzeugte vor allem stimmlich. Dazu kommt, dass er durch seine Statur schon in der Szene in der Hotellobby sofort auffällt und so meiner Vorstellung eines Maxim näher kommt als Arvid, den ich persönlich schauspielerisch lieber mochte.
Pia war... Pia eben. Jede Geste, jeder Blick, jeder Ton auf den Punkt. Wie groß der Unterschied zwischen der verbitterten, verhärmten Mrs. Danvers und der strahlend lächelnden Pia beim Schlussapplaus war, macht nur deutlich, welche darstellerische Leistung sie da vollbringt.
Kerstin Ibald und Udo Eickelmann haben mich als Bee und Giles genauso überzeugt wie beim letzten Besuch. Mona Graw war eine sehr schrille Mrs. van Hopper, Carl van Wegberg hat mir als schmieriger Jack Favell sehr gut gefallen, genau wie Jörg Neubauer als Frank Crawley und Oliver Heim als Ben.
Im Ensemble sind mir Christina Patten und Jakub Wocial besonders aufgefallen. Christina, weil ich sie beim letzten Besuch als ICH sehen durfte und Jakub, weil ich ihn a) schon aus Vampir-Zeiten kenne und er mich b) gerade als Kronprinz Rudolf in einem Video seiner Warschau-Konzerte begeistert hat. Das soll allerdings die Gesamtleistung nicht schmälern, denn das gesamte Ensemble hat mit unglaublich viel Spaß gespielt.
Es gibt sicher Menschen, die das Stück öfter gesehen haben und viel eher Unterschiede in der Darstellung erkennen als ich, die sagen können, wer was wie spielt. Für mich waren aber die Unterschiede zwischen beiden besuchten Vorstellungen minimal. Die unangenehmste Nebensache des Abends war mein Sitznachbar, der leider in die Kategorie Besucher gehörte, die sich in einem Theater nicht zu benehmen wissen. Vom kompletten Desinteresse am Geschehen auf der Bühne mal abgesehen. Ein hyperaktives Kind hätte weniger Unruhe verbreitet. Er rutschte permanent in seinem Sitz hin und her, kratzte sich ständig irgendwo, unterhielt sich lautstark mit seiner Begleiterin, fuhr sich durchs Haar, zupfte sich die Augenbrauen und schüttelte schließlich sein Sakko aus, dass mir ganz anders wurde. Noch dazu äffte er mit ausladenden Gesten das Geschehen auf der Bühne nach und rief laut "YAY! Happy end!", als ICH und Maxim sich am Schluss in die Arme fallen. Ach ja, das immer wieder aufleuchtende Handydisplay störte mich nach dem dritten Mal fast nicht mehr.
Fast ebenso ärgerlich fand ich es, dass man die Stuttgarter Gesamtaufnahme im Theater noch nicht kaufen konnte. Dem netten Mann am Souvenirstand war essichtlich unangenehm, dass er auf die häufigen Nachfragen nur "Tut mir sehr leid, wir rechnen jeden Tag mit der Lieferung!" antworten konnte. Aber gut, dann eben amazon.
Cast
ICH - Valerie Link
Maxim de Winter - Jan Ammann
Mrs. Danvers - Pia Douwes
Beatrice - Kerstin Ibald
Mrs. van Hopper - Mona Graw
Jack Favell - Carl von Wegberg
Frank Crawley - Jörg Neubauer
Ben - Oliver Heim
Ensemble Damen
Christina Patten (Clarice), Helena Blöcker, Lena Brandt, Christina Maria Brenner, Petra Clauwens, Virginie Kop, Melanie Walter, Wiebke Wötzel
Ensemble Herren
Udo Eickelmann (Giles/Horridge), Gerd Achilles (Oberst Julian), Alexander Bellinkx (Frith), Oliver Wejwar (Robert), Fredrik Andersson, Christoph Apfelbeck, Christian Kerkhoff, Jakub Wocial
Dorothy: Susanne Thielemann Tante Em: Monika Straube/Kerstin Randall Onkel Henry: Roland Glass Die Vogelscheuche: Markus Schneider Der Blechmann: Martin Gäbler Der Löwe: Christof Maria Kaiser Die böse Hexe des Westens: Sylvia Schramm-Heilfort Die gute Zauberin des Nordens: Muriel Wenger Hexe 1 auf Besuch: Simone Stolzenburg Hexe 2 auf Besuch/Eine Dame von Oss: Ute Geidel Der Zauberer von Oss: Thomas Mäthger Gloria: Julia Böhme Bürgermeister/1. General: Matthias Repovs Bauer: Peter Heber Advokat: Lukas Wieloch Richter: Andreas Mühle
Einen kurzen Filmbericht über das Stück gibt's hier: